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Emotionen und Erziehung

Marion Dienstag, 21. April 2020 von Marion

Emotionen - und was sie für die Erziehung unserer Kinder bedeuten

Ich möchte mit Ihnen heute einen Auszug eines Workshops teilen, den ich für werdende Eltern und Eltern mit Kleinkindern veranstalte. Uns mit unseren Emotionen zu beschäftigen ist aber ganz bestimmt nicht altersabhängig, im Gegenteil, je besser wir uns verstehen, desto leichter fällt es uns andere zu verstehen. Und wir werden nie aufhören unsere Kinder dabei zu unterstützen, mit sich selbst und ihrem Umfeld besser klar zu kommen. Das Schöne daran ist, dass auch das was sich vielleicht in unserem Gehirn nicht so positiv programmiert hat veränderbar bist und damit ist unser eigenes Handeln veränderbar.

Die Wurzel des Wortes EMOTION ist MOVERE = LATEINISCH FÜR BEWEGEN (Emovere= HINWEGBEWEGEN).
Jede Emotion hat eine Tendenz zum Handeln. Dies liegt im Aufbau unseres Gehirns begründet. Das Gehirn ist im Laufe von Millionen von Jahren der Evolution von seiner Basis aus gewachsen.

Die unterschiedlichsten Zentren/Bereiche unseres Gehirns bestimmen unser Fühlen und Handeln, z.B.: der Hippocampus ist dafür verantwortlich, dass Sie das Gesicht Ihrer Cousine wiedererkennen und der Mandelkern erinnert sich daran, dass Sie sie nicht mögen; der Mandelkern ist dafür verantwortlich, dass durch eine ausgelöste Erinnerung z.B. eine Woge der Angst durch unseren Körper jagt; der Neokortex ist verantwortlich für die Mutter-Kind-Bindung - Arten ohne Neokortex wie Reptilien haben z.B. keine Mutterliebe; ohne Mandelkern gibt es keine Tränen, die man trocknen kann; der Mandelkern kann in einem Delirium der Wut oder der Angst reagieren, bevor der Kortex weiß was los ist. Diese „Schaltung“ zwischen bestimmten Bereichen ist ein wesentlicher Aufbewahrungsort für die Neigungen und Abneigungen, die wir im Laufe unseres Lebens erwerben. Sie geben uns bei unseren wichtigsten Lebensentscheidungen eine Navigationshilfe.

Warum ich Ihnen das erzähle:
Viele mächtige emotionale Erinnerungen gehen auf die ersten Lebensjahre zurück. Auf die Beziehung zwischen dem Kleinkind und seinen Betreuern (bei der Geburt ist der Mandelkern seiner vollständigen Ausformung schon sehr viel näher und reift beim Kleinkind sehr rasch). Da diese ersten emotionalen Erinnerungen festgelegt werden, bevor wir Worte dafür haben, finden sich später, wenn diese Erinnerungen wachgerufen werden, keine passenden artikulierten Gedanken für die Reaktion die uns überkommt. Dass unsere emotionalen Ausbrüche uns so verwirren können, liegt also unter anderem daran, dass sie oft aus einem früheren Abschnitt unseres Lebens stammen, als alles verwirrend war und wir noch keine Worte hatten, um die Ereignisse zu begreifen. Wir haben die beginnenden Gefühle, aber nicht die Worte für die Erinnerungen, die sie formten.

Unsere zwei Seelen:
Denkende (rationale)/Fühlende (emotionale): Je intensiver das Gefühl wird umso bestimmender die emotionale Seite und umso machtloser die rationale. Meist arbeiten die beiden Seiten harmonisch zusammen und die Verflechtung ihrer ganz unterschiedlichen Erkenntnisweisen geleitet uns durch die Welt. Es besteht gewöhnlich ein Gleichgewicht. Gefühle sind wichtig für das Denken und Gedanken sind wichtig für das Fühlen. Doch wenn Leidenschaften aufwallen kippt das Gleichgewicht. Die Emotionale Seele ist unser Radar für Gefahren. Es ist schwer mit jemanden zu argumentieren, der emotional erregt ist. Die Seele reagiert auf die Gegenwart so als sei sie die Vergangenheit. Die Emotionen besitzen demnach eine Intelligenz, die in praktischen Fragen von Gewicht sind. Das emotionale Vermögen lenkt mit der rationalen Seele unsere momentanen Entscheidungen. Umgekehrt spielt das denkende Gehirn eine leitende Rolle bei unseren Emotionen. Die Wirkungsbereiche dieser Hirnareale sind maßgebend für die Steuerung unseres Gefühlslebens und von ihr hängt es ab, ob wir emotionale Intelligenz besitzen oder nicht.

EMOTIONALE INTELLIGENZ - Modell nach D. Goleman:

Eigene Emotionen wahrnehmen können: Wer Gefühle nicht zu erkennen vermag ist ihnen ausgeliefert. Wer sich seiner Gefühle sicherer ist, kommt besser durchs Leben

Eigene Emotionen handhaben: Gefühle so zu handhaben, dass sie angemessen sind, ist eine Fähigkeit der Selbstwahrnehmung. Es ist die Fähigkeit sich selbst beruhigen zu können und Angst, Schwermut, Gereiztheit abschütteln zu können. Wer darin gut ist, erholt sich rascher von den Rückschlägen und Aufregungen des Lebens. Reflexion statt Reaktion: wie kann ich mich selbst in einen positiven Zustand bringen?

Emotionen in Tat umsetzen (positive Ziele setzen): Emotionen in den Dienst des Ziels zu stellen, wesentlich für unsere Aufmerksamkeit, für Selbstmotivation und Könnerschaft sowie für Kreativität. Emotionale Selbstbeherrschung – Gratifikationen aufschieben und Impulsivität unterdrücken ist die Grundlage für jede Art von Erfolg

Empathie: zu wissen was andere fühlen ist die Grundlage der Menschenkenntnis

Umgang mit Beziehungen: Kunst mit den Emotionen der anderen umzugehen => SOZIALE KOMPETENZ; Grundlage von Beliebtheit, Führung und interpersonaler Effektivität

Warum das Thema für Eltern wichtig ist:

+das Familienleben ist unsere erste Schule für das emotionale Lernen. In diesem engen Kessel lernen wir, wie wir uns selbst empfinden sollen und wie andere auf unsere Empfindungen reagieren

+Eltern sind Vorbilder - bezüglich des Umgangs mit ihren eigenen Gefühlen und mit den Gefühlen zwischen Mann und Frau.

+wir wissen, nach hunderten von Untersuchungen, dass die Art, wie Eltern ihre Kinder behandeln – ob mit strenger Disziplin oder empathischem Verständnis, mit Gleichgültigkeit oder Wärme usw. - für das Gefühlsleben des Kindes tiefreichende und bleibende Folgen hat

+Kinder können tatsächlich die wichtigsten emotionalen Kompetenzen erlernen und Fortschritte in ihnen machen, sofern wir uns die Mühe machen sie darin zu unterweisen

+wir unsere Kinder ermutigen können, ein breites Spektrum an Fähigkeiten zu entwickeln, die sie später einmal wirklich brauchen, um erfolgreich zu sein oder auch nur in dem was sie tun Erfüllung zu finden

+wir unsere Kinder unterstützen ihre natürlichen Kompetenzen und Gaben zu erkennen und zu pflegen

+das Leben umso reicher wird, je mehr Möglichkeiten man kennt, auf eine Emotion zu reagieren

+es ist eine entscheidende emotionale Fähigkeit Gefühle benennen und so besser zwischen Ihnen unterscheiden zu können

Vorteile emotional geschickter Menschen:
Sie sind verantwortungsbewusster, selbstsicherer, offener, sozialer, haben ein besseres Verständnis für Andere, sind rücksichtsvoller, harmonischer, sind im eigenen Leben zufrieden und erfolgreich, haben bessere Konfliktlösungsfähigkeiten, u.v.m.

Was die Problematik dahinter ist:
Wenn man in den emotionalen Botschaften, die man aussendet, Fehler macht, erlebt man dauernd, dass die anderen merkwürdig auf einen reagieren – man wird abgewiesen und weiß nicht warum. Man denkt, dass man sich richtig verhält, wirkt aber auf die anderen übertrieben oder böse. Kinder fühlen sich ohnmächtig, deprimiert und apathisch. Diese Kinder werden oft zum sozialen Außenseiter, weil sie auch den Lehrer missverstehen und falsch auf ihn reagieren, genauso wie auf andere Kinder.

Die gute Nachricht:
Mängel an emotionalen Fähigkeiten lassen sich beheben: Diese Bereiche setzen sich weitgehend aus Gewohnheiten und Reaktionen zusammen, die man sehr gut verändern kann.

Unsere Kinder dahingehend unterstützen zu können ist jedoch nur dann möglich, wenn wir uns selbst über unsere Gefühle im Klaren sind. Wenn Sie Lust haben beobachten Sie sich selbst ein wenig und versuchen Ihre Gefühle zuzuordnen und die Emotionen zu benennen. Ich bin gespannt wie viele Gefühle sie benennen und wahrnehmen können – das finde ich ist gar nicht so einfach, aber unglaublich interessant.

Ich freue mich über Ihr Feedback.

Ihre
Marion Deville

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